Führungskräfte, nicht nur multinational agierender Organisationen, sehen sich einer zunehmenden Komplexität ihrer Entscheidungsprozesse gegenüber, die zudem in ihren Konsequenzen sehr viel weitreichender sind, nicht selten irreversibel (z.B. AKW in Japan). Gleichzeitig erleben sie eine Desillusionierung in Bezug auf die Möglichkeit hinreichend entscheidungskritische Informationen gewinnen und Systeme steuerbar resp. beherrschbar machen zu können. Oftmals scheint es, als ob Führungskräfte in Industrie und Politik nichts anderes mehr bliebe als symbolische Führung zu betreiben („Bleibe Sie in Ihren Wohnungen, für die Bevölkerung besteht keine Gefahr!“), bei gleichzeitiger Unkenntnis über die Folgen ihres Handelns (z.B. Chemikalien zur Ölbekämpfung im Golf von Mexiko). Die Strategie des Muddling Through ist zur primären Entscheidungsstrategie avanciert.

Verschiedene Ansätze versuchen diese Herausforderungen anzugehen und, so scheint es, bleiben vielfach doch seltsam isoliert in ihrer jeweiligen Konzeption. Sie stehen damit in der Gefahr zu nur einem weiteren Hype der Beratungsindustrie zu werden, wodurch deren Potenziale unnötigerweise diskreditiert werden resp. ungenutzt bleiben.

Große Organisationen sind heute i.d.R. erheblich durch den Entwurf ihrer Informations-systeme geprägt. Wirtschaftsinformatiker sind es mithin, die ganz wesentlichen Einfluss auf die Organisation (im doppelten Sinne des Wortes) ausüben. Dabei besteht bei diesen Ansätzen die Gefahr, dass aufgrund von übertriebenen Abgrenzungen nicht nur Potenzial verloren geht, sondern kontraproduktive Effekte auftreten, die zu gefährlichen Fehlentscheidungen führen. Insbesondere die immer wieder als extern angenommene ethische Dimension des Entscheidens gilt bei betrieblichen Entscheidungen häufig nicht als integrativer Bestandteil.

In der Vorlesung (im Seminarstil) EMIZA II werden wir (gemeinsam) herausarbeiten wie die Erkenntnisse verschiedener Fachrichtungen, wie u.a. der Philosophie, Psychologie, Soziologie, Wirtschaftsinformatik und Ökonomie zu einem transdisziplinären Managementansatz zusammen wirken können. Einen Schwerpunkt bildet die Fragestellung welche Auswirkungen mit (In-)Transparenz bzw. Datenschutz verbunden sind. Dabei stehen weniger datenschutzrechtliche oder technische Fragestellungen im Fokus unseres Diskurses, sondern persönliche und gesellschaftliche Auswirkungen (Stakeholder), die an konkreten, aktuellen Beispielen (Whistleblower, Wikileaks, Jahn-Behörde, Telekom-/Bahn-Skandal) diskutiert werden.

Wichtig: Freude am Erkenntnisprozess! Eine intensive Zeit gemeinsamen Lernens.
Ziel: Klüger werden. Etwas für „das Leben“ mitnehmen. Konkretes Instrumentarium erlernen, um bessere Entscheidungen treffen zu können.
Voraussetzungen:
1.) „Dabei sein!“ Engagement. Freude am Diskurs. Interesse den eigenen Geist zu erweitern und auch für Unerwartetes offen zu halten. Lesen.
2.) Die Veranstaltung baut auf EMIZA I auf. Dies ist jedoch keine Voraussetzung. Für Einsteiger in EMIZA II werde ich eine Art „Crashkurs EMIZA I“ anbieten.

Bitte per E-Mail (Eitel.vonMaur@uni-due.de) anmelden, damit ich rechtzeitig konkrete organisatorische und inhaltliche Hinweise geben kann.

Mögliche Literatur:
  • Kammerer, Dietmar: Bilder der Überwachung
  • Neuberger, Oswald: Mikropolitik (www.amazon.de/asin/dp/382522743X)
  • Ortmann, Günther: Moral und Organisation – Die dunkle Seite (www.amazon.de/asin/dp/3938808810)
  • Schaar, Peter: Das Ende der Privatsphäre: Der Weg in die Überwachungsgesellschaft
  • Ulrich, Peter: Integrative Wirtschaftsethik (www.amazon.de/asin/dp/3258072612)
  • Verschiedene Radiobeiträge des Deutschlandfunks, die ich zur Verfügung stellen werde.