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Rundbrief des FA 5.2 Informationssystem-Architekturen - Heft 2/95 (<<-- komplettes PDF - 8,17 MB)

Inhalt
Editorial

An die Mitglieder und Interessenten

des Fachausschusses 5.2 Informationssystem-Architekturen und
der Fachgruppe 5.2.1 Modellierung betrieblicher Informationssysteme (MobIS)

Sehr geehrte Damen und Herren,

die vorliegende Ausgabe des Rundbriefes berichtet über die Tagung MobIS'95, die am 5. und 6. Oktober in Bamberg unter dem Thema "Geschäftsprozesse und Workflow-Systeme in der evolutionären Unternehmung" stattfand. Die Teilnehmerzahl von über 255 Personen übertraf unsere Erwartungen. Wir werten dieses breite Interesse als Ermunterung für unsere Arbeit im Fachausschuß. In diesem Heft sind die Kurzfassungen der 18 Vorträge enthalten.

Außerdem berichtet dieses Heft über erste Aktivitäten des Arbeitskreises 5.2.1.2 ZobIS. Sie finden die Kurzfassung von sechs Vorträgen, die anläßlich des 1. ZobIS-Workshops in Düsseldorf am 08.12.1995 gehalten wurden.

Für 1996 wünsche ich Ihnen persönlich wie beruflich alles Gute.

Mit herzlichen Grüßen

Ihr Elmar Sinz

Proceedings

Fachbereich 5 Wirtschaftsinformatik

Fachausschuß 5.2 Informationssystem-Architekturen
Fachgruppe 5.2.1 Modellierung betrieblicher Informationssysteme (MobIS)

Fachtagung MobIS '95
Geschäftsprozesse und Workflow-Systeme in der evolutionären Unternehmung

Sitzung 1: Einführung

Geschäftsprozesse und Workflow-Systeme - Modelle und Architekturen -

Elmar J. Sinz

Der Beitrag stellt die Modellierung von Geschäftsprozessen und die Spezifikation workflow-orientierter Anwendungssysteme - im folgenden kurz als Workflow-Systeme bezeichnet - in den allgemeinen Kontext der Modellierung und Architekturbildung betrieblicher Informationssysteme. Anhand eines allgemeinen Architekturrahmens und dessen Anwendung auf den SOM-Ansatz werden wichtige Anforderungen an Workflow- Systeme aufgezeigt.

Sitzung 2: Geschäftsprozeßmodellierung

Lenkung industrieller Geschäftsprozesse - Zentrale und dezentrale Lösungsansätze -

O. K. Ferstl

Im Ansatz des Semantischen Objektmodells (SOM-Ansatz) werden Geschäftsprozesse als autonome zielorientierte Teilsysteme eines betrieblichen Systems verstanden. Die Teilsysteme sind untereinander sowie mit den Kunden und den Lieferanten über Leistungsbeziehungen verbunden und koordinieren Leistungstransfers längs dieser Beziehungen über Verhandlungen. Die Ziele der autonomen Geschäftsprozesse werden unternehmensweit durch die Unternehmensführung vorgegeben.

Bei der Modellierung von Geschäftsprozessen werden vier Modellsichten unterschieden, die in der Zusammenschau die wesentlichen Struktur- und Verhaltensmerkmale von Geschäftsprozessen erfassen [FeSi95, 214]:

Im Folgenden wird speziell die Lenkungssicht von Geschäftsprozessen näher untersucht. In diese Betrachtung muß notwendigerweise das zu lenkende Leistungssystem und damit implizit die Leistungssicht mit einbezogen werden.

Simultane Gestaltung verteilter Anwendungssysteme und der betrieblichen Organisation auf der Grundlage von Geschäftsprozeßmodellen

Martin Strobel

Sowohl die Gestaltung der betrieblichen Organisation als auch die Konzeption verteilter Anwendungssysteme stehen heute im Mittelpunkt der betrieblichen Praxis und verschiedener Forschungsaktivitäten. Oft sind eine Verbesserung der strategischen Wettbewerbsposition oder Steigerung der internen Abwicklungseffizienz Ziele der Aktivitäten.
Zur vollständigen Ausschöpfung möglicher Effektivitäts- und Effizienzpotentiale kommt dabei der simultanen Gestaltung der betrieblichen Organisation und der sie unterstützenden Anwendungssysteme eine besondere Bedeutung zu. Zur Unterstützung einer simultanen Gestaltung wird im folgenden Beitrag eine hierarchische Meßgrößensystematik vorgestellt und im Rahmen eines Fallbeispieles praktisch angwendet.
Mittels dieser Systematik wird eine ganzheitliche Vorgehensweise zur klaren Identifikation voneinander unabhängiger Ansatzpunkte zur Verbesserung der betrieblichen Organisation und der sie unterstützenden Anwendungssysteme auf der Basis von Geschäftsprozeßmodellen unterstützt. Durch die Operationalisierung mittels Meßgrößen kann ein zielorientiertes und nachvollziehbares Vorgehen zur simultanen Gestaltung erzielt werden.

Geschäftsprozeßoptimierung mit CIMOSA in einer Papierfabrik

Frank Neuscheler, Karl-Heinz Sternemann

Die Internationalisierung der Märkte und starke Konzentrationsbestrebungen zwingen mittelständische Unternehmen u.a. zu deutlichen Kostensenkungen und zum Überdenken bisheriger Organisationsstrukturen. Neue Organisationsformen führen zu dezentralen Strukturen und streben die Integration bereits vorhandener Inseln an. Eine solche Integration wird jedoch nur möglich sein, wenn eine geeignete, allgemein anerkannte Architektur zur Unternehmensmodellierung zur Verfügung steht. CIMOSA [AMIC-92] bietet eine derartige Architektur an und bemüht sich zu einem europäischen Standard zu werden. Nachfolgend werden die Ergebnisse einer Anwendung von CIMOSA in einem mittelständischen Unternehmen der Papierindustrie vorgestellt. [...]

Sitzung 3: Workflow-orientierte Architekturen I

WorkFlow Dictionary - Ein Ansatz zur Integration von Organisationsmodellierung und Workflow Management

Gerard Derszteler

Bis in die 80er Jahre hinein waren die Unternehmen mit der Computerisierung der Arbeitsplätze beschäftigt, wobei hauptsächlich Einzelplatzlösungen installiert wurden. Ziel war die lokale Effizienzsteigerung durch eine Automatisierung einzelner isolierter Tätigkeiten. Hierbei wurde die arbeitsplatzübergreifende Integration oftmals nur ungenügend berücksichtigt. Bedingt durch den Siegeszug lokaler Netzwerke bietet sich die Chance einer ganzheitlichen, die gesamte Organisation einbeziehenden Betrachtungsweise von Abläufen sowie deren rechnergesteuerte Unterstützung.
Diesem "IT-Pull" steht ein gestiegener Wettbewerbsdruck, bspw. durch vom Kunden geforderte Produkt- und Dienstleistungsvielfalt, steigendem Kosten- und Termindruck sowie mehr Wettbewerbern, gegenüber. Durch neue Ansätze zur Ablaufoptimierung, die unter dem Schlagwort Business Process Reengineering (BPR) zusammengefaßt werden können, wird versucht, die klassische funktionsorientierte Arbeitsteilung aufzuheben und eine Reintegration der wesentlichen Geschäftsprozesse zu erreichen.
Als Hilfsmittel für solche Restrukturierungsmaßnahmen hat sich eine neue Klasse von computergestützten Werkzeugen, sog. Organisationsmodellierungs-Tools (Org-Tools), etabliert. Org-Tools wie Bonapart oder ARIS bieten eine methodische und rechnergestützte Anleitung bei der Durchführung von Reenginering-Projekten. Mit ihrer Hilfe kann die Aufbauorganisation einer Unternehmung, bspw. mit Hilfe von Organigrammen, ebenso wie die Ablauforganisation mittels Prozeßmodellen rechnergestützt erfaßt und unter Zuhilfenahme von Analyse- und Simulationskomponenten optimiert werden.
Die Bemühungen um eine arbeitsplatzübergreifende Integration der Abläufe setzen auf neue informationstechnische Konzepte auf, die eine rechnergestützte Zusammenarbeit von Gruppen ermöglichen. unter dem Oberbegriff Computer Supported Cooperative Work (CSCW) werden diese vielfältigen Konzepte zusammengefaßt. Workflow-Management-Systeme (WFMS) stellen eine spezielle Unterklasse von CSCW-Systemen dar. Ihr charakteristisches Einsatzgebiet ist die Steuerung von gut strukturierten, arbeitsteiligen Vorgängen nach einem zuvor definierten Schema.

Ereignisse als Basis workfloworientierter Architektur von Anwendungssystemen

Ralf Gerstner

Mit der Einführung eines Workflowsystems (WFS) sind hohe Erwartungen verknüpft: höhere Transparenz der betrieblichen Prozesse, Beschleunigung der Durchlaufzeiten, Simulationsmöglichkeiten bei der Gestaltung neuer Prozesse usw. Ziel ist es, daß die richtigen Informationen zum richtigen Zeitpunkt beim richtigen Bearbeiter ankommt und die Durchführung nachvollziehbar und steuerbar wird. Die Flexibilität der Steuerung spielt dabei gerade im Umfeld von Standardsoftware wie z.B. dem System R/3 der SAP AG eine zentrale Rolle, da nicht davon ausgegangen werden kann, daß sich alle möglichen Anwendungsszenarien vorweg definieren lassen. Zusätzlich müssen Fragen der Art "wie können vorhandene Softwareanwendungen integriert werden" oder "wie ist es möglich, einzelne Schritte eines Prozesses außerhalb des WFSs ablaufen zu lassen" beantwortet werden [Fritz94]. Die Integration von Anwendungen muß zwei Grundanforderungen erfüllen: sie muß flexibel und zuverlässig sein. Um diese beiden Anforderungen zu erfüllen, schlagen wir als Grundkonstrukte Anwendungsobjekte und Ereignisse vor.

Sitzung 4: Unterstützung von GP durch WF-Systeme I

Unterstützung schwach strukturierter Geschäftsprozesse

Klaus Pohl, Matthias Jarke, Ralf Dömges

Die Unterstützung von Geschäftsprozessen mit Workflow-Managementsystemen gewinnt zunehmend an Bedeutung. Wir zeigen die Unzulänglichkeiten existierender WFM-Ansätze bei der Unterstützung schwach strukturierter und kreativer Geschäftsprozesse auf und stellen einen neuen Ansatz zur computerbasierten Unterstützung solcher Prozesse vor. Im Zentrum dieses Ansatzes steht ein Prozeßrepository, das einerseits eine prozeßorientierte Werkzeugintegration ermöglicht, andererseits ausgeführte Geschäftsprozesse aufzeichnet und somit eine Basis für eine Verbesserung bzw. Neudefinition von Abläufen bietet. Zur Validierung dieses Ansatz wurden zwei Umgebungen realisiert: PRO-ART unterstützt den Anforderungsdefinitionsprozeß für Informationssysteme, PRO-ART/CE die Modellierung und Simulation von chemischen Produktionsprozessen.

Wirtschaftlichkeit prozeßorientierter Informationssysteme - Ein Ansatz zur Modellierung von Kontextänderungen in Geschäftsprozessen

Andreas J. Böhne

Die Ermittlung der Wirtschaftlichkeit prozeßorientierter Informationssysteme wird durch viele Faktoren erschwert. Ein wesentliches Problem erwächst aus der steigenden Vielfalt und Variabilität der zugrundeliegenden Geschäftsprozesse. In diesem Beitrag wird ein Ansatz vorgestellt, mit dem Kontextänderungen in Geschäftsprozessen vorausschauend modelliert und szenarienhaft dargestellt werden können. Möglichkeiten der Modellierung werden diskutiert und Ergebnisse einer empirischen Studie (Einführung eines Workflowsystems) gegenübergestellt. Dabei werden Gestaltungspotentiale und wirtschaftliche Grenzen erkennbar.

Sitzung 5: Bamberger Forschungsprojekte I

Wiederverwendung von Geschäftsprozeßmodellen

Heiko Raue

Durch die Beschreibung und Verwendung von Design-Patterns (Entwurfsmustern) ist die Diskussion um die Wiederverwendung von Entwurfsergebnissen wieder in Schwung gekommen. Design-Patterns werden derzeit vornehmlich im Bereich des objektorientierten Softwareentwurfs diskutiert, z.B. [GaHe+94]. In dem folgenden Beitrag wird die Konzeption einer objektorientierten Methode zum geplanten Entwurf wiederverwendbarer Geschäftsprozeßmodelle vorgestellt. Die Methode basiert auf dem Semantischen Objektmodell (SOM).

Die Modellierung von Universitätsprozessen

Jörg Krumbiegel

Viele Wirtschaftsunternehmen können derzeit ohne Steigerung der Kunden- und Qualitätsorientierung in ihrer Leistungserstellung sowie ohne Senkung der Durchlaufzeiten und der Kosten langfristig nicht mehr am Markt bestehen. Herangezogen werden hierzu Konzepte wie Business Process Reenginering, Total Quality Management und Lean Management. Gleichzeitig wird immer mehr die Notwendigkeit erkannt, auch öffentliche nicht-kommerzielle Dienstanbieter wie kommunale Verwaltungen und Universitäten zum Gegenstand der Gestaltung zu machen.
Vorgestellt wird ein Ansatz zur Analyse und Gestaltung der Universität als Gefüge von Geschäftsprozessen, die Dienstleistung an interne und externe Kunden erbringen. Als Beschreibungsrahmen für Universitäten wird die Universitätsarchitektur mit den drei Ebenen Universitätsplan, Universitätsprozesse und Ressourcen gewählt. Das vorgeschlagene Vorgehen zur Modellierung von universitären Geschäftsprozessen rückt die Leistung in den Mittelpunkt der Analyse und Gestaltung und berücksichtigt dadurch die besonderen Spezifika der Universität als Dienstleistungsersteller. Zusammen mit den vorgestellten Gestaltungstechniken ist somit ein Instrumentarium verfügbar, welches die durchgängige Analyse und Gestaltung auf den Ebenen der Universitätsarchitektur ermöglicht. Anhand eines Beispiels wird abschließend eine Analyseinstrument zur durchgängigen Zuordnung der Ressource 'Anwendungssystem' auf der Ressourcenebene zu den Geschäftsprozeßmodellen auf der Geschäftsprozeßebene demonstriert.

Sitzung 6: Unterstützung von GP durch WF-Systeme II

Workflow-Management-Systeme - Integrierte Modellierung und Ausführung flexibler Prozesse

Wolfram Conen, Rita Krukis, Christian Lenke

In den letzten Jahren ist in vielen Unternehmen das Bewußtsein für die Bedeutung der effizienten Gestaltung von Geschäftsprozessen gewachsen. Im Mittelpunkt stehen dabei Workflow-Management- Systeme, die das systematische Management von Vorgängen ermöglichen und dadurch den Wandel von funktionalen zu prozeßorientierten Informations- und Kommunikationssystemen vollziehen [PR95, S.28].
Workflow-Management-Systeme sind jedoch in ihrem Funktionsumfang nicht einheitlich, sondern decken unterschiedliche Aspekte eines heterogenen Aufgabenfeldes ab. Während sich zum Beispiel einige Systeme ausschließlich mit der Modellierung und Definition von Geschäftsprozessen befassen und entsprechende Beschreibungssprachen zur Verfügung stellen, steht im Zentrum anderer Anwendungen eher die Prozeßverfolgung und die Unterstützung der verschiedenen Organisationseinheiten bei der Ausführung von Geschäftsprozessen [VER95, S.153].
In der vorliegenden Arbeit werden zunächst die verschiedenen Phasen eines systematischen Workflow- Managements charakterisiert. Im Anschluß daran stellen wir weitergehende Methoden vor, die die Modellierung, Steuerung und Kontrolle flexibler und häufig wechselnder Abläufe erlauben.

Flexible Geschäftsprozesse mit SAP Business Workflow 3.0

Helmut Wächter

Immer mehr Unternehmen operieren in einer sich rasch wandelnden Umwelt: Produkte, eingesetzte Technologien, organisatorische Strukturen, Kundenbedürfnisse und Marktbedingungen ändern sich oft in starkem Maße. Infolgedessen ist ein nach einer Geschäftsprozeß-Reorganisation [HaCh93] "optimierter" Geschäftsvorgang nach einiger Zeit nicht mehr "optimal" gestaltet und muß mit hoher Wahrscheinlichkeit bald wieder geändert werden. Die leichte und schnelle Anpaßbarkeit eine Geschäftsprozesses (Flexibilität) ist daher mindestens genauso wichtig wie seine Optimierung hinsichtlich solcher Kriterien wie Kosten, Durchlaufzeiten o.ä. Kritische Stimmen behaupten (teilweise zurecht), daß heute verfügbare Workflow-Management-Systeme (kurz WFMS) einen einmal implementierten Geschäftsprozeß quasi einzementieren und einen technischen oder organisatorischen Wandel sehr erschweren. Bei der Unterstützung von Geschäftsprozessen mit einem WFMS muß man z.B. mit folgenden Veränderungen rechnen: Hardware- oder Software- Komponenten zur Implementierung der Geschäftsprozesse werden ausgetauscht; Stellen u.a. Organisationseinheiten werden neu eingerichtet, aufgeteilt oder zusammengefaßt oder mit neuen Aufgaben und Kompetenzen versehen; Mitarbeiter treten ein, sind zeitlich abwesend, wechseln in eine andere Abteilung usw. Um diese vielfältigen Änderungen flexibel nachvollziehen zu können, muß ein WFMS viele Freiheitsgrade bei der Modellierung, Verwaltung und Ausführung von Geschäftsprozessen anbieten.
Die Basiskomponente des SAP R/3-Systems [BuGA94] enthält ab Release 3.0 ein integriertes Set von Workflow-Tools. Dieser Beitrag stellt diese Werkzeuge vor und erläutert insbesondere deren Konzepte und Mechanismen für die Unterstützung flexibler Geschäftsprozesse. Nach der Architektur (Abschnitt 2) beschreiben wir die wichtigsten Möglichkeiten zur flexiblen Modellierung (Abschnitt 3) und Ausführung (Abschnitt 4) von Geschäftsprozessen.

Sitzung 7: Workflow-orientierte Architekturen

Ableitung von Spezifikationen für Workflow-Managementsysteme aus Geschäftsprozeßmodellen

Michael Amberg

Workflow-orientierte Anwendungssysteme (WFAWS) stellen eine neue, vielversprechende Realisierungsform von Anwendungssystemen dar, um Unternehmen eine umfassende und flexible Softwareunterstützung bei der Steuerung und Durchführung ihrer betrieblichen Aufgaben bereitzustellen.
Durch Fokussierung auf die ganzheitliche Steuerung der Aufgabendurchführung können WFAWS sowohl manuelle Aufgaben integrieren als auch Hilfestellung bei der flexiblen Zuordnung von Aufgaben zu Aufgabenträgern geben. Für die Workflowmodellierung bedeutet dies, daß der Spezifikationsumfang und der Detaillierungsgrad für WFAWS im Vergleich zu konventionellen Anwendungssystemspezifikationen deutlich erweitert wird.
In diesem Beitrag wird die Frage untersucht, inwieweit die Geschäftsprozeßmodellierung dazu beitragen kann, die Workflowmodellierung beherrschbarer zu machen. Nachdem die Geschäftsprozeßmodellierung als Modellierungsansatz (siehe z.B. [FeSi94, Oest95, Sche94]) seit Jahren verwendet wird und sich zunehmend etabliert hat, erfolgt hier eine Fokussierung auf die workflow- orientierten Aspekte ([GeHo94], [WFMC94]).

Flexible Geschäftsprozesse mit Workflow-Anwendungen

Walter Rupietta

Workflow-Management beschäftigt sich mit dem Ablauf von Geschäftsprozessen und der arbeitsteiligen, teilautomatisierten Bearbeitung der in diesen Geschäftsprozessen vorkommenden Aufgaben. Die wirtschaftliche Zielsetzung beim Einsatz von Workflow-Management-Systemen besteht in reduzierten Durchlaufzeiten, verbesserter Auskunftsfähigkeit und höherer Ausführungssicherheit von Geschäftsprozessen. Technische Zielsetzung sind Vereinfachung und Standardisierung der Entwicklung von Workflow-Anwendungen. Diese Zielsetzungen werden durch die Architektur von Workflow-Management-Anwendungen erreicht, die darauf beruht, daß Workflow- Management-Systeme eine Anwendungsinfrastruktur bereitstellen, die Basisfunktionen für workflow- orientierte Anwendungen mitbringt. Neben diesen wirtschaftlichen und technischen Zielsetzungen spielt die Flexibilität bei der Neu- und Umgestaltung von Geschäftsprozessen eine zunehmend wichtige Rolle. Deshalb wird in diesem Beitrag ein mehrstufiges Vorgangsmodell vorgestellt und erläutert, wie dieses Modell zu einer flexiblen Gestaltung von Geschäftsprozessen beiträgt.

Sitzung 8: Bamberger Forschungsprojekte II

Ein Geschäftsprozeßmodell des Controlling

Frank O. Zimmermann

In den letzten Jahren entwickelte sich die zunehmende Komplexität und Dynamik der realen Welt, insbesondere im betriebswirtschaftlichen Umfeld, zu einem zentralen Problem. Das Instrumentarium zur Beschreibung von komplexen Sachverhalten beschränkt sich in der Betriebswirtschaftslehre dabei weitgehend auf die Möglichkeiten der verbalen Beschreibung oder der Aufstellung von Quantitativen Modellen. Während verbale Beschreibungen im allgemeinen unvollständig und ungenau sind [Mali92, 20f], finden (formaltheoretische) OR-Methoden nur in speziellen Problemstellungen Anwendung und tragen wenig zur Klärung realer Tatbestände bei [Küpp95, S.30]. Semi-formale (realtheoretische) Modelle sind in der Betriebswirtschaftslehre kaum zu finden [Küpp95, S.29]. An dieser Stelle kann die Wirtschaftsinformatik einen wesentlichen Beitrag leisten. Ihr Auftrag ist u.a. die Entwicklung von Methoden zur Modellbildung für die Analyse und Gestaltung des betrieblichen Informationssystems, das als Nervensystem der Unternehmung verstanden wird [FeSi94]. Bisher lag der Schwerpunkt in der Diskussion über die geschäftsprozeßorientierte Analyse und Gestaltung von Informationssystemen in der Betrachtung von Leistungsprozessen [HeBr95]. Mindestens ebenso relevant ist jedoch die Betrachtung der Führung als Geschäftsprozeß und dessen Analyse und Gestaltung. Bei diesem Fokus kommt dem Verständnis des Controlling eine entscheidende Bedeutung zu. Ziel dieses Beitrags ist der Versuch, unter Zuhilfenahme der Modellierungsmethoden der Wirtschaftsinformatik, ein klareres Verständnis in den in der Betriebswirtschaftslehre noch sehr uneinheitlich verwendeten Begriff Controlling zu bringen. Es soll ein Modell entwickelt werden, das hierzu eine semi-formale Grundlage schafft.

Führungsinformationssysteme als Mittel zur Lenkung industrieller Geschäftsprozesse

Jan-Peter Hazebrouck

Die Dezentralisierung der Organisation, die durch die Geschäftsprozeßgestaltung erreicht wird, erfordert eine verteilte Lenkungsstruktur, wobei normative, strategische und operative Aspekte sowie eine unternehmensweite Abstimmung aller Geschäftsprozesse berücksichtigt werden. Daran müssen sich die Führungsinformationssysteme (FIS) orientieren. Da bestehende Systeme nur auf zentralistische Lenkungsstrukturen ausgerichtet sind, sind in diesem Beitrag, ausgehend von den Merkmalen der Geschäftsprozeßlenkung, bestehende FIS-Konzepte untersucht und Ansatzpunkte der Weiterentwicklung aufgezeigt.

Sitzung 9: Geschäftsprozeßmodellierung II

Modellbasiertes Controlling für komplexe Geschäftsprozesse

Carsten Berkau

Daß die Gemeinkostenblöcke in Industrie- und Dienstleistungsunternehmen stetig zunehmen, ist hinlänglich bekannt. Die Verfahren und Instrumente der Kostenrechnung haben diese Entwicklung jedoch nachhaltig aufhalten können. Komplexe Geschäftsprozesse lassen sich mit abteilungs- und funktionsbezogenen Analysen nicht optimieren. Stattdessen sind prozeßorientierte Betrachtungsweisen gefordert, weil nur diese dem logischen und abteilungsübergreifenden Zusammenhang der Geschäftsinhalte Rechnung tragen können.
Von zukunftorientierten Management-Instrumenten wird daher gefordert, daß sie ablauforientierte Beschreibungen von Prozessen abbilden können, um so Prozeßstrukturen sichtbar und Prozeßeinflußparameter deutlich zu machen. Um bei der Gestaltung und Optimierung von Geschäftsprozessen auch Kosten planen und steuern zu können, sind die Prozeßanalysewerkzeuge um Controlling-Funktionalität zu erweitern.

Ereignisgesteuerte Prozeßketten zur formal fundierten Geschäftsprozeßmodellierung

Frank Rump

Das Modell der ereignisgesteuerten Prozeßkette (EPK) hat sich bei der Geschäftsprozeßmodellierung um kommerziellen Umfeld etabliert. Durch fehlende Syntax- und Semantikdefinition ist ihr Einsatzbereich allerdings auf die Dokumentation von Arbeitsabläufen beschränkt. Um auch Analyse und Steuerung von Abläufen auf Basis von EPKs zu ermöglichen, werden notwendige Erweiterungen vorgeschlagen, die bereits partiell in dem in Oldenburg befindlichen Tools "FLUGS" umgesetzt wurden.

Flexible Geschäftsprozeßmodellierung mit ProMAX

Ines Kittel, Norbert Kratz, Thomas Rose

Unternehmen bewegen sich heute in einem zunehmend turbulenten Umfeld. Nicht nur die Informationszyklen für Produkte und Dienstleistungen werden immer kürzer, sondern auch Märkte, Kundenanforderungen sowie die Konkurrenzsituation verändern sich in immer kürzeren Zeiträumen. [...] Aufgrund der Komplexität von Organisationsstrukturen und Abläufen werden zum Management dieser Anpassungsprozesse Werkzeuge und Methoden benötigt, um einerseits Beschreibungen (Modelle) erzeugen und verändern zu können und andererseits die Auswirkungen und Konsequenzen von konkreten Designentscheidungen bereits in der Planung analysieren zu können.
Geschäftsprozesse müssen jedoch nicht nur flexibel anpaßbar sein, sondern sie müssen auch die verfügbaren technologischen Möglichkeiten nutzen, um im Vergleich zum Wettbewerb möglichst effizient bestimmte Leistungen erbringen zu können. [...] Gerade im Bereich der Datenverarbeitung bedeutet dies jedoch einen inhärenten Widerspruch, da optimal angepaßte und damit hoch produktive DV-Anwendungen die geforderte Flexibilität ausschließen oder zumindest behindern. Workflowsysteme [Jabl95] stellen hier aufgrund der möglichen Modularität der verwendeten Anwendungsbausteine sowie der im Vergleich zu komplexen Softwaresystemen relativ einfache Möglichkeiten zur Veränderung der Ablaufsteuerung, einen ersten Ansatz dar, Flexibilität der Prozesse und effiziente Unterstützung der Anwender zu kombinieren.
Ein weiterer, in der Praxis zu beobachtender Problembereich liegt in der Tatsache, daß vielfach eine Divergenz zwischen den geplanten und den in der Realität gelebten Prozessen entsteht, da die notwendige Durchgängigkeit zwischen diesen Bereichen nicht gegeben ist und so in der Praxis ein gewisses Beharrungsvermögen von eingeführten und über einen längeren Zeitraum erlernten Abläufen besteht. [...] Nur wenn Modelle sowohl für die Beschreibung als auch zur statischen und dynamischen Analyse sowie für die Ableitung von Verbesserungsvorschlägen verwendet werden können und zudem auch das Aufsetzen auf bereits spezifizierten Abläufen bzw. Generischen Prozeßmodellen beinhaltet, wird sich eine Akzeptanz für den nicht unerheblichen Aufwand der Modellierung komplexer Geschäftsprozesse erzielen lassen.
Im Rahmen des internationalen Forschungsprojektes "Tools for Enterprise Design and Execution" entwickeln das Enterprise Integration Laboratory der University of Toronto und das FAW Konzepte und Prototypen zur Durchgängigen Beschreibung, Analyse, Optimierung und Implementierung von Geschäftsprozessen. Am FAW wird hierbei mit ProMAX (Process Modelling Assessment und Execution Enviroment) ein prototypisches Werkzeug für die Geschäftsprozeßentwicklung realisiert.